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Projekt Schule früher

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Schule im Museum – Museum in der Schule

Eröffnung der Ausstellung „Schule vor 100 Jahren“

 

Ein Kooperationsprojekt der Sinnberg Grundschule und der Museen Schloss Aschach

 

Geschichte zum Anfassen erleben die Kinder der Sinnberg-Grundschule in verschiedenen heimatkundlichen Sammlungen in Unterfranken. Doch dass ein Museum quasi zu den Kindern in die Grundschule kommt und seine Objekte dort ausstellt ist wohl ehr selten. Die Ausstellung „Schule vor 100 Jahren“, die nun in der Sinnberg- Grundschule feierlich eröffnet wurde, ist von den Kindern der Klasse 4b eigenständig erarbeitet und konzipiert worden. Sie zeigt die Ergebnisse eines Kooperationsprojektes zwischen dem Aschacher Schulmuseum und der Sinnberg-Grundschule, bei dem die Kinder ganz wissenschaftlich arbeiten durften und sich mit unterschiedlichsten Quellen befassten, die Antwort auf ihre Fragen geben konnten. So ist dieses Projekt auch für die museumserfahrenen Viertklässler etwas wirklich Besonderes gewesen.

 

Erste Neugier auf das Thema „Schule vor 100 Jahren“ wurde bereits im April des vergangenen Jahres geweckt. Die damaligen Drittklässler waren von der Museumsleiterin Annette Späth nach Aschach eingeladen worden, die letztjährige Eröffnung der Sonderausstellung „Zum Schulanfang“ musikalisch zu umrahmen. Doch aus anfänglicher Neugier auf das Thema wurde schnell mehr, und die Ergebnisse der intensiven Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Fragestellungen zum Thema „Schule früher“ werden nun in der Schule öffentlich präsentiert. Dort sind die Arbeiten der Kinder zu ihren selbstgewählten Themen und ausgewählte Museumsobjekte zu sehen. Bei der offiziellen Eröffnung dieser Ausstellung durch Rektor Klaus Lotter und die verantwortliche Lehrerin Beatrice Rose-Ebel wurde sogleich mit dem Museum vereinbart, dass die Exponate und Schautafeln auch (voraussichtlich ab etwa Mai 2013) ins Museum nach Aschach wandern und dort einem noch breiteren Publikum zur Verfügung stehen werden.

 

Die Klasse 4 b mit ihrer Lehrerin Frau Beatrice Rose-Ebel vor ihrer Ausstellung.

 

Zunächst sammelten die Kinder ihr Vorwissen zum Thema und jeder wusste aus Berichten der (Ur)Omas irgendetwas zu erzählen, wie es „früher“ in der Schule war. Dabei kam heraus, dass viele Kinder schon ein allgemeines historisches Bewusstsein hatten, was jedoch von Verallgemeinerungen, Klischees und z. T. auch Vorurteilen geprägt war. „Früher sind alle Kinder mit der Kutsche zur Schule gefahren“, „Lehrer haben die Kinder ständig verprügelt“ oder „ Es gab noch kein Papier, man hat mit Federn auf Tierhaut geschrieben“ beschreibt die Ausgangslage. Schnell wurde klar, dass man sich zunächst auf „ein bestimmtes früher“ einigen musste. So entschied die Klasse, sich mit der Schulzeit von vor etwa 100 Jahren zu beschäftigen. Den Ausschlag hierfür gab der recht praktische Einwurf eines Kindes,  „weil man da schon Fotos hat, die man anschauen kann“. Dass man Informationen z. B. für Referate in der heutigen Zeit vor allem übers Internet bekommt, wissen die computerversierten Kinder. Doch leider half diesmal auch Google nicht weiter, denn Antworten auf Fragen wie „Gab es in Kissingen früher schon ein Gymnasium oder eine Realschule?“,  „Hatten die früher einen Tobepausenhof und einen Ruhepausenhof, so wie wir?“, „Gab es auch einen Pausenverkauf?“, „Was für Bücher hatten die Kinder zum Lernen?“, spukten die Computer in diesem Fall nicht aus. Also machte sich die Klasse auf nach Aschach ins Schulmuseum. Die Museumspädagogin Renate Kiesel trat als Schulfräulein auf und die Kinder erlebten wie der Unterricht vor 100 Jahren gewesen sein könnte.

Historische Schultaschen aus den Beständen des Aschacher Schulmuseums dürfen selbstverständlich nur sachgerecht mit weißen Handschuhen untersucht werden.

 

Aber auch hier ließen sich nicht alle Fragen beantworten. An dieser Stelle konnte Frau Bartezko aus dem Kissinger Stadtarchiv weiterhelfen. Sie suchte unermüdlich alte Klassenfotos heraus und lieferte viele entscheidende Informationen zur Kissinger Schulgeschichte. Nun begann die eigentliche Arbeit für die Kinder: Sie fanden sich in kleinen Gruppen zusammen, mussten sich durch die Quellen lesen, diese interpretieren und für die geplante Ausstellung so aufbereiten, dass jeder sie gut verstehen konnte. Das bedeutete z. B. die Übersetzung der Schulbuchtexte, die natürlich in der Deutschen Schrift verfasst waren.

Daniel, Vincent und Alex erforschen historische Klassenfotos im Hinblick auf die Anzahl der Schüler und die Schulkleidung.

 

Andere Schüler befassten sich mit Pausenspielen und probierten mehrere historische Spiele aus. Bastian stellte sofort fest: „Früher wurden die Kreisel mit einer Peitsche angetrieben. Das war viel schwerer als die Beyblades (Anmerkung: Plastikkreisel aus Manga-Comics, mit denen man Wettkämpfe austragen kann), die wir heute haben!“ Die Mathematiker der Klasse rechneten mit Hilfe historischer Werbeanzeigen aus, was der Schulanfang früher im Vergleich zu heute gekostet hat und setzten die errechneten Zahlen in Relation zum jeweiligen Durchschnittseinkommen der Eltern. Auf diese Weise wurden freiwillig komplexe Rechnungen gelöst, die kein Lehrer je von einem Viertklässler gefordert hätte.

 

Diana und Niko erproben Griffel und Schiefertafel an der historischen Schulbank im Klassenzimmer.

 

Normalerweise sitzen die Kinder auf modernen, bequemen, ergonomisch geformten frei schwingenden Stühlen und schreiben an großen Einzeltischen, die individuell an die Größe jedes einzelnen Kindes angepasst werden. Für die Dauer des Projektes wanderte jedoch eine historische Schulbank ins Klassenzimmer der 4b. Eng, hart, unbequem und wenig flexibel in der Nutzung beurteilten die Kinder das historische Möbelstück. „Trotzdem stritten sich alle regelrecht darum, wer an der alten Schulbank sitzen durfte!“, berichtete die Klassenlehrerin.

 

 

     „In der ältesten Kissinger Schule werden heute Pommes verkauft!“, erklären Lilli und Takia, die Expertinnen für die Kissinger Schulgeschichte der Museumsleiterin Annette Späth bei der Ausstellungseröffnung.

 

 

Schließlich stand auch die eigene Schulgeschichte der Grundschule für einige Kinder im Mittelpunkt des Projekts: Wo waren denn früher die Schulen in Kissingen? Und was ist dort heute? „In der ältesten Kissinger Schule werden heute Pommes verkauft!“, wissen Lilli und Takia, die Expertinnen für die Kissinger Schulgeschichte und erklären der Museumsleiterin Annette Späth bei der Ausstellungseröffnung: „Schon drei Mal fand in Kissingen ein großer Schulumzug von einem alten, viel zu kleinem Gebäude in ein neues, modernes, großes Schulhaus statt.“  Den letzten Umzug haben die Kinder als Erstklässler vor vier Jahren sogar selber miterlebt. Um ehemalige Erstklässler dreht sich auch ein Preisrätsel, über dem schon viele Eltern, Schulkinder und Lehrer gebrütet haben. Denn wer erkennt sie, die ehemaligen ABC-Schützen, die dort abgebildet sind, und die heute alle noch immer täglich in die Sinnberg-Grundschule gehen? Für Viele kaum vorstellbar, aber auch die Lehrer(innen) haben einmal ganz klein angefangen! Zwar nicht vor 100 Jahren, aber doch in einer Zeit, in der Schule noch ganz anders war als heute.