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Im Waschzuber durch den Kindergarten

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  Im Waschzuber durch den Schlossgarten

 

Im Schuljahr 2011/12 wurde die Arbeitsgemeinschaft „Geschichte zum Anfassen“ an der Sinnberg-Grundschule neu gegründet. Unter Leitung von Beatrice Rose-Ebel erkundeten 18 interessierte Mädchen und Jungen Bad Kissingen und die Museen der Umgebung. Im Oktober begaben sich die Kinder zunächst auf Spurensuche in der Innenstadt Kissingens um Reste der alten Stadtmauer zu entdecken. Als der Feuerturm ins Visier der Kinder fiel und sie diesen ausgiebig betrachteten, kam der Zufall zu Hilfe: Einer der glücklichen Schlüsselbesitzer trat eben aus der Eingangstüre des Turmes und schlug den Kindern vor, doch einmal nach oben zu steigen. Dies ließen sie sich nicht zweimal sagen und die 99 Stufen bis zum Turmzimmer wurden in Rekordzeit erklommen.
Kurz vor den Herbstferien besuchten die geschichtsbegeisterten Schüler das Neue Rathaus von Bad Kissingen. Hilla Schütze begleitete die Gruppe und wusste vieles aus der Zeit zu berichten, als die Familie des Freiherrn Lochner von Hüttenbach das Schloss bewohnte und noch nicht der Kissinger Oberbürgermeister Herr des Hauses war. Frau Schütze, die Renate und Eberhard, zwei der Kinder des Barons, noch persönlich kannte, erzählte eindrucksvoll aus deren Leben. Amüsiert lauschten die Schüler, wie die Kinder mit einigen Freunden den einen oder anderen Streich und Schabernack im Hause trieben: Im Erdgeschoss befand sich die Arztpraxis des Vaters. Die Patienten gingen ein und aus, und kamen alle an einer alten Ritterrüstung vorbei, die im Eingangsbereich aufgestellt war. Die findigen Kinder befestigten eine versteckte Schnur am Visier der Rüstung und ließen dieses auf- und zuklappen, immer wenn Patienten vorbei kamen, so dass diese einen gehörigen Schrecken bekamen. Hin und wieder schlichen sich die Geschwister auf den alten hölzernen Dachboden, auf dem allerlei interessante Dinge lagerten. Eines Tages entschlossen sie sich dort oben auf einem Spirituskocher Nudeln zu kochen. Ob diese geschmeckt haben, ist nicht überliefert, jedoch der „Nachgeschmack“ blieb im Gedächtnis haften: die jungen Köche bekamen eine ganze Menge Ärger mit ihren Eltern.
Manche Feste oder Hauskonzerte wurden von Eberhard und Renates Eltern im Festsaal, dem heutigen Sitzungssaal des Stadtrates gegeben. Die Kinder mussten inzwischen ins Bett. Doch ihr Schlafzimmer lag ganz in der Nähe – die drei Geschwister schliefen mit ihrer „Nanni“ im heutigen Amtszimmer des Oberbürgermeisters – und so schlichen sich die Kinder häufig nach draußen. Versteckt und verborgen im Zwischenraum der Doppeltüren des großen Saales lauschten sie dem Treiben und den Klängen der festlichen Musik. Die knarzenden Holzdielen des Bodens verrieten ihnen meist früh genug, wenn sich jemand der Tür näherte und sie ihren Lauscherposten besser aufgaben. 
Als in Kissingen noch regelmäßig die Innenstadt unter Wasser stand, da es ja noch lange keinen Hochwasserschutz gab, kam das Wasser der Saale eines Tages bis hoch in den Innenhof des Schlosses, der zum Teil als Garten angelegt war. Die Gunst der Stunde nutzend, schnappten sich die Kinder einen großen Waschzuber und fuhren fröhlich mit ihrem „Boot“ durch den Garten.
Betroffen hörten die Grundschüler, dass die glücklichen Tage der Familie zu Ende gingen, als der Vater 1927 plötzlich starb. Die Mutter, allein mit drei kleinen Kindern, konnte sich den Unterhalt des großen Hauses nicht leisten und verkaufte das Anwesen 1928 an die Stadt Bad Kissingen bevor sie nach München zog. Das alte Rathaus war viel zu klein geworden und so war man froh das Schloss als neues Amtsgebäude übernehmen zu können.
 
 
 
 
 
 
Hilla Schütze zeigt den Kindern
den Sitzungssaal des Rathauses
und erzählt vom Leben vergangener Zeiten.